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Lesetipps | Rubrik Emotionen | Für Erwachsene


Lese-tipp: BEIM LEBEN MEINER SCHWESTER

Roman von Jodi Picoult – Für Leser ab 14 Jahren und ihre Familien

 

Inhalt
Ohne ihre Schwester Anna kann Kate Fitzgerald nicht leben: Sie hat Leukämie. Doch eines Tages weigert sich die 13-jährige Anna, weiterhin Knochenmark für ihre todkranke Schwester zu spenden … Jodi Picoults so brisanter wie aufrüttelnder Roman über den Wert des Menschen wird niemanden kaltlassen.

 

„Das bewegende Porträt einer zerrissenen Familie. Jede Figur ist lebendig, jede Situation wahr. Jodi Picoult gelingt es, ihre Leser bis zur letzten Seite zu fesseln... mich inbegriffen.“ (Elizabeth George)

 

Kurze Leseprobe
"Mr. Fitzgerald, würden Sie als ausgebildeter Rettungssanitäter an einem Patienten, der keinerlei ersichtliche körperliche Beschwerden hat, eine Behandlung vornehmen?“ „Natürlich nicht.“ „Wieso dachten Sie als Annas Vater dann, dass diese invasive Behandlung, die für Anna selbst Risiken barg und ihr keinerlei körperlichen Nutzen brachte, in ihrem Interesse lag?“ „Weil“, sagt Brian, „ich Kate nicht sterben lassen konnte.“

 

Eine ausführliche Leseprobe finden Sie hier.
 

Über die Autorin
Jodi Picoult, geboren 1967 auf Long Island, studierte in Princeton Creative Writing und in Harvard Erziehungswissenschaften.1992 veröffentlichte sie ihren ersten Roman und gehört heute zu den beliebtesten amerikanischen Erzählerinnen weltweit. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hanover, New Hampshire.

 

Frau Hillas Gedanken zum Buch
Die wichtigste Frage des Romans lautet: Wie hoch ist der Wert eines Menschen? Ist einer wichtiger als der andere? Muss sich einer für den anderen opfern? Wie kann eine ganze Familie zusammen stark bleiben, wenn einer todkrank ist? In vielen Beziehungsgeflechten gilt der Grundsatz: „Es soll allen gut gehen mit den gefundenen Kompromissen.“ Ist das überhaupt immer möglich?

 

Die 13jährige Hauptperson Anna steckt in einem unlösbaren Dilemma fest: Sie ist zum einen die einzige Blut- und Knochenmarkspenderin für ihre an Leukämie erkrankte Schwester Kate. Ihr wird dadurch die unbesorgte Kindheit genommen und bei den durchaus riskanten Operationen Schmerzen zugefügt. Zum anderen kann sie ihrer Schwester immer wieder das Leben retten, was für beide ein großes Glück bedeutet. Die Eltern lieben beide Töchter, doch Anna spürt davon wenig.

 

Auch wenn sie Anna nicht wehtun lassen möchten, stimmen die Eltern den notwendigen medizinischen Eingriffen zu. Ohne sie zu fragen. Eines Tages soll sie eine Niere für Kate spenden. Doch das möchte sie selbst entscheiden. Anna nimmt sich einen Anwalt und klagt auf das Recht, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Dabei hat sie noch gar nicht entschieden, ob sie die Niere spenden möchte oder nicht.

 

Dieses Szenario ist der Ausgangspunkt für den Roman, der keine wirkliche Antwort auf die Kernfrage gibt. Wie auch? Die Geschichte wird aus der Sicht von Anna, ihren Eltern, ihrem Bruder, dem Anwalt und Annas Jugend-Beraterin erzählt. Dieser ständige Perspektivwechsel schult aus meiner Sicht beim Leser das Gesamtverständnis für die Situation. Ja, sie ist komplex, es gibt viele Sichtweisen. Beim Lesen wurde mir klar, wie wichtig ein Verständnis von allen Motivationen und Seiten ist.

Und doch geht es vor allem um Anna. Denn endlich einmal soll es um sie gehen. Unsichtbar sein und sich unsichtbar fühlen, dieses Schicksal teilt Anna mit vielen der sogenannten „Schattengeschwister“. Natürlich ist es auf den ersten Blick verständlich, dass sich eine ganze Familie um den Erkrankten kümmert. Doch eben nicht ausschließlich, immer und grenzenlos. Sich endlich einmal Gehör verschaffen, endlich einen Menschen an der Seite wissen, der sich für sie einsetzt. Das ist Annas Wunsch. Das spiegelt die Erzählweise insofern, dass sich die erkrankte Kate nur ein einziges Mal zu Wort meldet.

 

 

Die gleichnamige Verfilmung finde ich sehenswert. Jedoch haben die Filmleute sich für ein anderes Ende der Geschichte entschieden. Welches man bevorzugt, das ist sicherlich individuell. Eine Erkenntnis zieht sich für mich jedoch durch: Es gibt nicht den perfekten Plan, und keiner vermag wirklich, die beste Entscheidung für einen anderen Menschen zu treffen. Es ist noch nicht mal einfach und manchmal sogar unmöglich, die beste Entscheidung für sich selbst zu treffen. Insofern wünsche ich allen Familien den Mut, das gegenseitige Verständnis durch Austausch jeder Position bedingungslos aufzubauen und stetig zu erneuern. Denn jeder hat Recht und keiner hat Recht.

 

Das Buch ist eine Herausforderung. Die Auseinandersetzung mit den Sichtweisen schwierig. Und auch bleibt eins: Ganz egal, wie gut sich eine Entscheidung auch anfühlen mag. Das Leben macht dann doch was es will.

 

Hier geht es zum Verlag.