DIE MUTTER MEINER KINDER IST AN KREBS GESTORBEN, WIE KANN ES WEITER GEHEN?

Der Mensch, mit dem man sein Leben teilen wollte, ist nicht mehr da. Nichts mehr ist wie vorher. Wie schaffen es Frühverwitwete, den Verlust zu verarbeiten? Eric Konrad spricht über den Tod seiner Ehefrau, die schwierige Zeit für ihn und seine Kinder und welche Rolle phönikks bei der Neuausrichtung seines Lebens gespielt hat.

Die Ärzte sagten: „Ihre Frau ist gestresst, als zweifache Mutter sind Müdigkeit, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit durchaus üblich.“ Aber Eric Konrad war sich sicher, dass das nicht der Grund sein konnte. Seine Frau lebte gesund, machte Sport und hatte ein gutes Gefühl für den eigenen Körper. „Auch als Familie waren wir glücklich und plötzlich ging es ihr so schlecht. Da konnte etwas nicht stimmen“, erinnert sich Konrad. Nachdem seine Frau ohne wirkliche Diagnose im März 2019 aus dem ersten Krankenhaus entlassen worden war, arrangierten sie weitere Arzt und Krankenhausbesuche.
Eric Konrads Zweifel waren begründet, leider. Eine Biopsie Ende Mai ergab: Schwarzer Hautkrebs mit Metastasen im Kopf – unheilbar. „Selbst bei dem Wort unheilbar habe ich es nicht für möglich gehalten, dass ich meine Frau verlieren könnte“, schildert Konrad seine Verzweiflung. Mit der Krankheit begann eine emotionalen Achterbahnfahrt für die ganze Familie: „Es gab schlechte Tage, an denen es schwer für die Kinder war, ihre Mutter so zu erleben. Und es gab Tage, an denen es ihr so gut ging, als wäre nie etwas gewesen.“
Im Juli 2019, nur fünf Wochen nach der Diagnose Krebs, musste die Familie Abschied von der geliebten Mutter und Ehefrau nehmen. „Ein Schock, der uns völlig unvorbereitet traf. Für meine Kinder war ich immer daddy cool und plötzlich war ich so hilflos. Mir war klar: Wir brauchen Unterstützung, und zwar jetzt sofort“. In akuten Krisen vereinbart phönikks innerhalb weniger Tage einen Termin zum Erstgespräch. So war es auch bei Familie Konrad.
„In solchen Fällen ist es wichtig“, sagt Johannes Jakob, systemischer Familientherapeut bei phönniks, „dass wir der Trauer eine Struktur geben und sei es nur dadurch, dass in einem geschützten Raum regelmäßig Emotionen abgeladen werden können.“ Das phönikks Team machte den einzelnen Familienmitgliedern dann alters- und entwicklungsgerechte Angebote – so nahm z.B. der 11-Jährige Sohn von Eric Konrad nicht nur an den Gesprächen mit Johannes Jakob, sondern auch am Kinderkunstprojekt teil (mehr dazu auf Seite 11).
Für den Witwer Konrad waren andere Themen wichtig: „Wie kann ich mit meinen Kindern über den Verlust sprechen? Wie nehme ich ihnen die Angst, es könnte auch mich treffen? Wie regle ich überhaupt den Alltag ohne meine Frau?“. Das erste halbe Jahr war für die gesamte Familie eine Zerreißprobe. Der alleinerziehende Vater musste beruflich pendeln und die Kinder hatten immer wieder schlaflose Nächte.
Der Corona-Lockdown im März 2020 hatte für die Familie auch eine entschleunigende Wirkung. „Die Zeit stand irgendwie still und das haben wir genutzt, um uns gegenseitig Halt zu geben – dabei war es auch hilfreich, dass phönikks die Beratung per Videotelefonie aufrechterhielt“, sagt Herr Konrad, um mit einem Lächeln hinzuzufügen: „Mein Sohn ist normalerweise ein Langschläfer, zum Kinderkunstprojekt stand er aber am Wochenende gerne früh auf.“
Es gibt niemanden, der einem die Trauer abnehmen kann: „Man kann nicht ein Gespräch führen, bei dem man doppelt so viel weint und dann ist alles wieder gut. Für uns war es aber sehr wichtig, dass wir Unterstützung erfahren haben, als wir sie am dringendsten gebraucht haben – und dafür sind wir phönikks dankbar“. Mit seiner Geschichte möchte Herr Konrad andere Familien, die vom Schicksalsschlag Krebs betroffen sind, dazu ermutigen, Unterstützung von Außen anzunehmen. Er sei jetzt soweit, dass er in der Trauer auch ein Gefühl der Dankbarkeit empfinden könne: „Während ich mir die Frage stelle, wie ich z.B. einen Adventskalender für meine Kinder basteln soll, denke ich an meine Frau. Ich lerne jetzt all die Aufgaben kennen, die sie mit einer solchen Akribie und Liebe übernommen hat. Dadurch schätze ich sie jeden Tag mehr und vermisse sie unendlich.“

ERFAHRUNGSBERICHTE

Menü